Leitgedanken 
Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Leitgedanken

  • Wir verstehen unsere Initiative als zivilgesellschaftliches Engagement, bei dem wir uns  - gemeinsam mit unseren Partnern in Malawi – an der Ubuntu Philosophie, wie sie von Nelson Mandela gelehrt wurde (Ubuntu (Philosophie) – Wikipedia), orientieren. Das Leben des Individuums kann nur ein gutes sein, wenn jede und jeder einen Beitrag zum Wohl der Gemeinschaft leistet.

  • Wir distanzieren uns vom Begriff der Entwicklungshilfe ebenso wie von demjenigen der Entwicklungszusammenarbeit aufgrund folgender Überlegungen:

  1. Der zugrundeliegende Begriff der “Entwicklung” impliziert, dass afrikanische Länder eine Entwicklung nachzuholen hätten, die in den “Geberländern” schon vollzogen ist. Die gesellschaftliche Entwicklung dieser Länder wird als höher wertig beurteilt. Dabei wird primär der Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung fokussiert. Es wird ebenfalls impliziert, dass die “entwickelten” Länder respektive deren Repräsentanten beurteilen könnten, was in den zu entwickelnden Ländern Not tut und richtig ist.
    Aus unserer Sicht ist dies falsch. Sowohl die wohlhabenderen “Geber”-Länder, wie die ärmeren Länder Afrikas haben von ihnen autonom zu bestimmenden Entwicklungsbedarf. So ist es z. B. eine moralische Pflicht derjenigen Länder, deren ökologischer Fussabdruck das drei- bis vierfache desjenigen beträgt, der eine nachhaltige Entwicklung garantieren würde, den eigenen Ressourcenverbrauch massiv zu reduzieren. So gesehen sind die sogenannten “Geberländer” die eigentlichen “Nehmer”-Länder, die z. B.  auf Kosten der afrikanischen Bevölkerung leben. Die afrikanischen Länder wiederum werden hoffentlich nicht die europäischen (Fehl-)Entwicklungen nachvollziehen müssen, sondern einen auf eigenen Ressourcen und Stärken aufbauenden eigenen “African”-Way einschlagen wollen (vgl. Buch „Afrotopia“, Feline Sarr).

  2. YCD und Patimalawi verfolgen das Ziel, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Bezirk Chickwawa zu unterstützen, partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Beide setzen dafür die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel optimal ein.

  • Als gemeinsame Orientierung neben der Ubuntu-Philosophie verbindet uns und unsere Partner in Malawi die Orientierung an universellen Werten, wie den Menschenrechten und den Kinderrechten. Wir sind uns einig in der Überzeugung, dass deren Gültigkeit nicht diskutiert und nicht mit Argumenten der kulturellen Unterschiede relativiert werden dürfen. Hunger, Unterernährung, fehlende Möglichkeiten zur Schulbildung, schlechte Behandlung in den Gefängnissen etc. sind nicht akzeptabel und wir setzen uns gemeinsam für die Verbesserung dieser Zustände ein.

  • Die Gestaltung der Unterstützung baut auf den Bedürfnissen der Unterstützten auf. Dabei verfolgen wir einen Ansatz des Empowerments, der keine längerfristigen Abhängigkeiten zementiert, sondern die Menschen darin unterstützt, baldmöglichst wieder selbständig wirtschaften zu können.

Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Bei der Gestaltung all unserer Projekte ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Unterstützung so zu gestalten, dass eine Perspektive mitgeplant wird, die es ermöglicht, die einseitige Abhängigkeit der Projekte in Malawi von den Finanzen aus der Schweiz zu reduzieren oder gar ganz aufzuheben.

Besonders herausfordernd ist dies z. B.  beim Schulprojekt: Es ist nicht nachvollziehbar und nicht richtig, dass die von uns zu bezahlenden Schulgelder nicht vom Staat getragen werden. Des Weiteren ist es YCD nur möglich, 150 Kinder zu unterstützen. Nach den Schätzungen von Francis Folley wären aber bis zu 1000 Kinder pro Jahr auf diese Unterstützung angewiesen, um die Primary und Secondary School besuchen zu können. Hier setzt nun eine besonders originelle Idee von Francis Folley an, die wir im Sinne eines Pilotprojektes unterstützen: Wir konnten es – durch eine grosszügige Einzelspende – ermöglichen, dass YCD ein grosses Stück Land und 100 Ziegen kaufen konnte. Durch den Gewinn, der durch den Verkauf der zu züchtenden Ziegen erzielt wird, sollte es innerhalb zweier Jahre möglich werden, dass YCD das Schulgeld für die 150 Kinder selbstständig erwirtschaftet. Dabei entstehen zusätzlich Arbeitsplätze für zwei Personen, welche die Ziegen hüten. Die zur Verfügung stehenden Spendengelder könnten bei einem Erfolg dieses Projektes für weitere 150 Kinder eingesetzt werden. Des Weiteren sind YCD und Francis Folley bemüht, die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung der Kinder gegenüber Politikern aufzuzeigen. Allerdings ist sein diesbezüglicher Einfluss noch sehr begrenzt, wird jedoch durch unser Wirken stetig grösser.

Die nachhaltige Wirkung, die wir durch das Business-Starter-Projekt erreichen, ist sehr beeindruckend. Wie Francis Folley in einer präzisen Auswertung aufzeigen konnte, gelingt es mit diesem relativ geringen Startbetrag, der an Gefangene ausbezahlt wird, die das “Life-Skills-Programm” im Gefängnis absolviert haben, die Rückfall-Quote um ein Vielfaches zu verringern (siehe Studie). Um auch hier die nachhaltige Wirkung noch zu steigern, sind wir zurzeit am Abklären, ob wir für gewisse der entstehenden Klein-Betriebe einen kleinen Absatzmarkt in der Schweiz schaffen könnten.

Beim Child-Marriage-Projekt erfuhren wir während unseres diesjährigen Besuches, dass es bisher gut gelingt, Kinder aus den Ehen wieder hinauszuführen. Danach ist es allerdings äusserst wichtig, dass diese Kinder-Mütter entweder die Schule besuchen können oder eben auch vom “Business-Starter”-Projekt profitieren können. Wir arbeiten daran, dies systematisch zu ermöglichen. Leider ist gerade in diesem Feld ein grosser Rückschlag zu verzeichnen. Durch die durch die Malawische Regierung ergriffenen Covid-Massnahmen konnten viele Mädchen nicht zur Schule gehen und das prekäre Einkommen der Familien wurde noch einmal reduziert. Dies führte dazu, dass es zu einem markanten Anstieg von Kinderheiraten in den Jahren 2021 und 2022 kam.

Ein weiterer Versuch, der in den nächsten vier Jahren gemeinsam umgesetzt wird, ist unser “Micro-Finance-Projekt”. Ziel dieses Projektes ist es, junge Unternehmer nicht mit Spenden, sondern durch die Gewährung eines Darlehens mit niedrigem Zinssatz zu unterstützen. In einem ersten Anlauf sollen vom für fünf Jahre zur Verfügung stehenden Betrag von 5000 Franken ca. 10 bis 15 Darlehens­nehmende profitieren können. Im Optimalfall können die zu erwartenden Ausfälle an Rückzahlungen durch den Zinssatz kompensiert und die 5000 Franken dem Darlehensgeber wieder zurückerstattet werden (aufgrund der Inflationsbedingten Abwertung des Geldes während der Laufzeit der Kredite ist allerdings mit einem gewissen Verlust zu rechnen) . Dieses Pilotprojekt wird ausserhalb der Patimalawi Vereinsstrukturen mit dem Darlehen einer Privatperson durchgeführt. Sollten die Ergebnisse befriedigend ausfallen, überlegen wir uns eine Ausdehnung dieser Unterstützungsform.